Ausgangssituation

In Deutschland werden jährlich mehr als zwei Millionen Patienten auf einer Intensivstation behandelt und etwa 400.000 davon künstlich beatmet. [1] Auf diese Behandlung entfallen etwa 20% der gesundheitlichen Gesamtausgaben des stationären Versorgungssektors. Allein in der Region Berlin-Brandenburg sind nach aktuellen Schätzungen ca. 2000 Patienten außerklinisch beatmet. [2]

Wissenschaftliche Arbeiten konnten nachweisen, dass es neben der Langzeitabhängigkeit vom Respirator zu verschiedenen anderen Langzeitfolgen einer intensivmedizinischen Behandlung kommen kann, die die Lebensqualität der Patienten einschränken und das Behandlungsergebnis verschlechtern. So haben 40% der ehemaligen beatmeten Patienten signifikante kognitive Schäden nach 3 Monaten. Über die Hälfte der Schäden ist von der Ausprägung mit einer Alzheimer Demenz vergleichbar. Beim überwiegenden Teil der Patienten sind diese Schäden auch nach einem Jahr nicht reversibel. [3]

Angststörungen treten bei etwa der Hälfte der Patienten auf und ca. 25% erleidet eine posttraumatische Belastungsstörung. [4] Bei Entlassung von der Intensivstation sind zwischen 48% und 96% der Patienten von einer schweren Muskelschwäche betroffen, die auch nach Jahren persistiert und die Gehstrecke der Patienten einschränkt.

[1] Daten gemäß GBE-Bund; [2] DIGAB, DIVI, DGNI, DGP, DEGAM, VPK, BdP, Hausärzteverband, Positionspapier zur aufwendigen häuslichen Krankenpflege bei tracheotomierten Patienten mit und ohne Beatmung, 2016; [3] P. Pandharipande et al., N Eng J Med, 2013; [4] E. Fan et al., Crit Care Med, 2014; [5] L. Pandit et al., Clin Neurol Neurosurg, 2006

2,1 Mio

intensivmedizinische Behandlungen
pro Jahr deutschlandweit



Zentraler Wissensaustausch und Weiterentwicklung

Es gibt evidenzbasierte Qualitätsindikatoren (QIs) der Intensivmedizin, deren Einhaltung sich positiv auf Langzeitfolgen auswirkt. Experten unterscheiden sogenannte akute Qualitätsindikatoren von intersektoralen Qualitätsindikatoren. Während erstere vor allem die Akutphase der Intensivbehandlung betreffen, beziehen sich letztere auf das Überleitungsmanagement.

Primäres Ziel von ERIC ist die Vermeidung von Langzeitfolgen einer intensivmedizinischen Behandlung durch die verbesserte Implementierung von QIs (innersektorale Modifikation) mittels eHealth Intervention, sowie ein Case-Care Management, das den Patienten in der nachgeschalteten Behandlung nachverfolgt und eine Rückführung in die optimale Versorgungsstruktur ermöglicht, bevor es zu Langzeitschäden (v.a. zu Langzeitbeatmung) kommt (intersektorale Modifikation).

Langzeitfolgen verringern

Ziel von ERIC ist es, Langzeitfolgen einer intensivmedizinschen Therapie zu verringern. Dafür wird eine zentrale E-Health-Plattform aufgebaut, die die Kommunikation und die Datenerfassung der beteiligten Krankenhäuser verbessert und in einem telemedizinischen Zentrum bündelt. Es werden untern anderem tägliche Televisiten durchgeführt, in der die teilnehmenden Ärzte und Pflegekräfte über Video standortunabhängig miteinander kommunizieren. Im Mittelpunkt steht die Implementierung von Qualitätsindikatoren zur intensivmedizinschen Behandlung, die über die E-Health Plattform automatsch erhoben und ausgewertet werden.

Innovationsfonds – ERIC als Cluster-Randomisierte Studie im Stepped Wedge Design

ERIC ist eines der ersten Projekte der Förderwelle „Neue Versorgungsformen“ des Innovationsausschusses und soll auf eine globale Ausrollfähigkeit hin untersucht werden. Das Projekt wurde als evidenzbasiert und regional umsetzbar bewertet. Das Evaluationskonzept ist robust und mit Klinikern, Biometrikern und Gesundheitsökonomen entwickelt worden. Es erlaubt eine umfassende Bewertung aus Patientensicht, klinischer Sicht und ökonomischer Sicht nach drei Jahren, so dass ERIC anschließend in die globale Versorgung übergehen kann.

Ganzheitlicher Therapieansatz

Intensivstation
Telemedizin

  • Tägliche QI-Erfassung durch die Behandlungsteams
  • Beratung durch das telemedizinische Team der ICU
  • 24/7 Notfallbereitschaft für kritische Fälle

Hausarzt
Follow-Up

  • Follow-Up nach 3 und 6 Monaten, initiiert durch die Tele-ICU zur Detektion von ICU-bedingten Folgekrankheiten
  • Vermittlung an Experten zur Behandlung, wenn gewünscht und notwendig

Nachsorge
Rehabilitation

  • Engmaschige Abstimmung mit weiterbehandelnden Einrichtungen
  • Wissenstransfer über Tele-ICU
  • Unterstützung von Angehörigen und Patienten